Social Media verbieten - Das Australien-Experiment
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Auf dem Papier ist die Regel klar. Aber die Umsetzung sieht im Alltag australischer Familien ganz anders aus. Jugendliche umgehen die Alterskontrollen mit falschen Angaben, technischen Tricks oder mussten sich gar nicht erst ausweisen.
ARD-Korrespondentin Christiane Justus, selbst Mutter von Teenagern, begleitet Familien, Jugendliche und Experten in einem Land, das zu einem Experiment für digitale Regulierung geworden ist. Und stellt dabei Fragen, die auch in Deutschland und Europa debattiert werden.
Jayden, 14 - zu klug fürs Verbot?
Lena aus Sydney hält das Verbot für ungerecht. Ihr Sohn Jayden ist 14, programmiert eigene Software, ist Schülersprecher und nutzt digitale Plattformen nicht nur zum Gaming, sondern auch zur eigenen Weiterentwicklung. Durch Tutorials auf YouTube und TikTok etwa lernt er viel über Musik oder Programmieren - und lässt sich durch Social Media vor allem inspirieren. Für seine Mutter ist das Social-Media-Verbot daher der falsche Weg. Jayden kennt die Gefahren von Cybermobbing, er weiß, wann er zu lange online ist. Jugendliche, die verantwortungsvoll mit digitalen Medien umgehen, werden genauso bestraft wie diejenigen, die es nicht tun, sagt sie. Ihr Ansatz: Statt eines Verbots braucht es digitale Resilienz und Eltern, die die Fähigkeit vermitteln, sich sicher, kritisch und selbstbestimmt in einer vernetzten Welt zu bewegen.
Jack, 14 - online im Outback
Amy Squire lebt mit ihrem Sohn Jack auf einer Rinderfarm im Outback, der nächste Ort ist eine Autostunde entfernt. Freundschaften pflegt man hier häufig online. Jack besucht ein Internat und verbringt die Ferien zu Hause, weit weg von seinen Freunden. Für ihn sind digitale Netzwerke nicht nur Freizeitbeschäftigung, sondern auch die Verbindung zur Außenwelt. Das Gesetz, sagt Jacks Mutter, benachteilige Kinder auf dem Land. Kinder seien Erwachsenen technisch ohnehin voraus und finden Wege, wenn sie einen Weg finden wollen.
Acht Tage ohne Netz - was bleibt?
Was passiert, wenn das Smartphone tatsächlich weg ist? Christiane Justus und das "Weltspiegel"-Team besuchen ein Digital-Detox-Camp, wo Jugendliche acht Tage lang komplett offline leben - kein Scrollen, keine Stories, keine Likes. Zwischen Outdoor-Abenteuern und Workshops zeigt sich, wie tief digitale Routinen bereits verankert sind. Und wie schwer es fällt, sie loszulassen. Aber auch: Was entsteht, wenn Feed und Smartphone nicht das Leben bestimmen. Wie schädlich Social Media sein kann, erlebt man mit dem australischen Hirnforscher Dr. Mark Williams: Christiane Justus testet im Selbstversuch, wie sich Social-Media-Konsum auf das Gehirn auswirkt. Denn Social Media kann laut Williams im Extremfall die kognitive Entwicklung von Kindern schädigen.
Das eigentliche Problem?
Die australische Soziologin und Technologieforscherin Alexia Maddox findet ein generelles Verbot nicht sinnvoll: "Kinder wurden nicht gefragt. Die Politik wurde von Erwachsenen über Kinder hinweg entworfen - getrieben von den Ängsten der Erwachsenen." Das eigentliche Problem sei nicht der Zugang zu Social Media an sich, sondern die Funktionsweise der Plattformen: endloses Scrollen und Algorithmen, die auch jugendliche Nutzerinnen und Nutzer über Stunden online halten sollen. Ein Verbot, das sich an Jugendliche richtet, ohne die Plattformen in die Pflicht zu nehmen, treffe daher die Falschen.
Was kann man in Deutschland daraus lernen?
Ist Australiens Experiment mit dem klaren Social-Media-Verbot für Kinder gescheitert? In der "Weltspiegel Doku" wird klar, dass viele sich Veränderungen bei den Social-Media-Plattformen wünschen. Aber eine einfache Antwort gibt es nicht, vor allem, wenn die großen Tech-Konzerne nicht mitspielen. Welche Erkenntnisse können für Deutschland genutzt werden?